Nun hat die Andschela sich also auch in den Urlaub verabschiedet. Gutgelaunt und mit Ringen unter den Augen, aber das macht nichts, sie war schliesslich viel unterwegs in letzter Zeit. Nicht einmal Geburtstag konnte sie zuhause feiern! Aber ein schönes Geschenk hat sie vom Jogi bekommen, der bleibt nämlich Bundestrainer und Chefablenker der Nation.
Da macht es auch nichts, dass es eine kleine bürgerliche Revolution in Hamburg gab, wo eine ungeheuer breite Mehrheit unter neununddreissig Prozent der Wahlberechtigten sich dagegen aussprach, dass in den Schulen sechs Jahre lang gemeinsam gelernt wird! Wo kämen wir denn da hin, wenn das Professorensöhnchen in der Schule so lange neben Hamid (der in Wirklichkeit Mesut heisst) sitzen muss, bis dieser schon zum professionellen Drogendealer ausgebildet ist und Abend für Abend Taschen voller Geld nach Hause bringt. Nein, Gleichmacherei, das haben die Kommunisten gemacht, damals in der dehdeh-err, und es gibt genügend Pfarrerskinder, die richtig malochen mussten, bevor sie über Umwege oder dank der Wende doch noch zu einer anspruchsvollen Tätigkeit kamen.
Nein, so sagen es die Statistiken, wer in Deutschland eine soziale Herkunft hat, der hat eine vorgezeichnete Zukunft, und so soll es bleiben. Amen. Und nachdem wir die Hauptschulen nach und nach in jedem Bundesland abgeschafft haben, werden wir neue Heime in den märkischen Sand oder in die Hochlagen des Schwarzwalds stellen, wo der elfjährige Mahmoud (der eigentlich Hassan heisst) rund um die Uhr erzogen wird. So etwas muss es schon einmal in der Bundesrepublik gegeben haben, vor fünfzig oder sechzig Jahren, mit dicken Kreuzen an allen Wänden, und die ehemaligen Bewohner erinnern sich jetzt erst wieder, wie sie misshandelt wurden. Da werden wir heute pädagogische Fachkräfte mit Kampfausbildung brauchen, und schon ist das Problem gelöst.
Problematischer ist da schon die Sache mit den Politikern, die sich reihenweise zurückziehen, weil sie keine Lust mehr haben, nach fünfunddreissig Jahren Karriere von der Jungen Unjohn bis zum Ministerpräsidenten sich unterstützen und feiern zu lassen, um früher oder später nur noch von den Journalisten durchs Leben getrieben und auf Schritt und Tritt verfolgt zu werden. "Der Merkel laufen die Männer weg", haben die Zeitungen geschrieben und lange Listen mit vielen Namen gemacht. Na und? Die Merkel lächelt. Solln sie doch selber kommen und in die Politik gehen, die Journalisten, das wär doch richtig praktisch, die würden sich garantiert nicht mehr das Leben gegenseitig zur Hölle machen, sondern Hand in Hand arbeiten, Themen setzen, mit denen das Volk abgelenkt wird und Entscheidungen treffen, die mit einem Dreizeiler abgearbeitet sind.
Oder sollte man sich ein Beispiel nehmen an denen, die so leicht nichts umhaut? Duisburgs Oberbürgermeister beispielsweise, der, wenn auch nicht alleine, gerade grandios mit dem Versuch gescheitert ist, seine Stadt so gross zu machen wie Berlin und einen ehemaligen Güterbahnhof zum Tiergarten zu machen, in dem Millionen feiern? Die niemand vorher geschrumpft hat? Das muss man lückenlos aufklären, schliesslich hätte auch alles glatt gehen können. Bei Elf Grad und Dauerregen. Ein heikles Thema, über das noch manches zu sagen sein wird, was wir an dieser Stelle respektvoll mit einundzwanzig Schweigeminuten ungesagt lassen.
Und vielleicht sind wir ja insgeheim doch alle
ganz froh, wenn wir sie nach den Sommerferien alle wohlbehalten
zurück haben, die Andschela, den Gihdo, den Horst und wie sie alle
heissen...